Schreibratgeber-Overkill

„Hier wird der Schlussstrich gezogen! Bis hierher und nicht weiter!“ (Jean-Luc Picard, Star Trek VIII – Der erste Kontakt)

Der Einstieg ist ein bisschen dramatisch, aber genauso fühle ich mich gerade. Seit Monaten lese ich Schreibratgeber und stöbere in Tutorials, um die perfekte Schreibstrategie zu finden. Figurenentwicklung, Schneeflockenmethode, Heldenreise, Charakterbögen…  das ist alles so wahnsinnig interessant und mein Kopf ist voll mit tollen Tipps. Theoretisch könnte ich einen Vorzeigeroman schreiben. Praktisch komme ich vor lauter Schreibratgeberlektüre kaum zum Schreiben (und zum Prosa-Lesen). Deshalb ist jetzt Schluss damit.

Eigentlich weiß ich doch, wie ich die Sache angehen muss. Ich schreibe schließlich nicht zum ersten Mal eine Geschichte. Und ich habe durch Studium und Beruf alle methodischen Grundlagen. Das einzige, das mich bremst, ist Unsicherheit. Angst, dass ich es falsch angehe.

Überall lese ich, wie wichtig strukturiertes Plotten ist und wie viel Zeit man damit bei der Überarbeitung spart. Das ist auch alles ganz plausibel. Nur: ich kann so nicht arbeiten! Meine besten Ergebnisse erziele ich, wenn ich einfach drauflos schreibe. Wenn ich in den Flow komme, entwickelt sich die Geschichte von selbst. Ich muss den Punkt erreichen, an dem ich nicht mehr aufhören will, zu schreiben – weil ich wissen möchte, wie die Story weitergeht.

Ob die erste Rohfassung nach akribischer Plotkonstruktion entsteht oder nach der „Hosenbodenmethode“: überarbeiten muss man sie sowieso. Mehrfach.

Falls ihr gerade in einer ähnlichen Situation steckt und merkt, dass ihr mit den Lehrbuchmethoden nicht weiterkommt, skizziere ich hier kurz, wie ich ab jetzt vorgehe. (Haha, ich schimpfe hier über Schreibratgeber-Overkill und verfasse selbst einen ^^)

  • Basis: Ein Plot mit Lücken und detailliert ausgearbeiteten Teilen und eine Welt, die soweit ausgearbeitet ist, dass ich damit arbeiten kann.
  • Unverzichtbare Vorarbeit: Figuren ausarbeiten. Eine pro Tag. Die werden sich zwar sowieso verändern, aber ohne solide Charakterisierungen funktioniert es nicht.
  • Weltenbau „on the fly“: Ich ergänze Details während des Schreibens. Alles, was mir so einfällt, halte ich im „Reiseführer“ fest, damit ich immer wieder nachschlagen oder Änderungen einarbeiten kann. Das Gleiche gilt für Recherche und Figurenentwicklung.
  • Versuchen, so oft es geht mehrere Stunden am Stück zu schreiben. Das ist wie beim Sport: In den Flow kommt man nur durch längere Trainingseinheiten.
  • Den ersten Entwurf ohne große Korrekturen raushauen. Es sei denn, es ergeben sich beim Schreiben gravierende Änderungen.

Jetzt freue ich mich wieder richtig aufs Romanschreiben.
Fortsetzung folgt ^^

Eure Esther

P.S.: Blogposts zum Thema Schreiben lese ich weiterhin sehr gerne. Ich will nur nicht mehr in einem Sumpf aus Schreibratgeberweisheiten und Theorien versinken.

2 Kommentare

  1. Geht mir genauso. Desto mehr Ratgeber ich lese, desto größer wird die Blockade. Deswegen Folge ich dem Nike – Slogan:
    Do it!
    Liebe Grüße Vic

  2. Ich finde es gut, wenn die Schreitratgeber mir einen Impuls geben zu schreiben. Für mich ist es besser, wenn ich die erste Fassung ohne die ganzen Tipps schreibe und erst bei der Überarbeitung die Schreibratgeber konsultiere.

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