Wir schreiben Demokratie!

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Fantastronautin.de ist kein politisches Blog. Aber nach diesem Ergebnis der Bundestagswahl 2017 kann und will ich nicht schweigen. Denn wenn wir nicht in einem freiheitlich-demokratischen Staat leben würden, könnte ich das hier nicht schreiben. Oder hätte hinterher die Staatspolizei vor der Tür stehen. Oder hätte gar nicht erst Zugang zum Internet. Es wäre eine Katastrophe. Davon sind wir zum Glück noch weit entfernt, denn fast 87 Prozent der Deutschen haben sich für das Grundgesetz entschieden. Aber gestern Abend wurde eine rote Linie überschritten.

Nicht bei uns!

Als ich Abitur gemacht habe und auch noch in den Jahren danach war ich der festen Meinung:

Die NS-Zeit wird sich niemals wiederholen, nicht bei uns.

Für mich gab es keinen Zweifel daran. Wir waren aufgeklärt, wussten in allen Details über das Thema Bescheid – vom Aufstieg bis zum Niedergang des Naziregimes. Wir haben Gedenkstätten und Ausstellungen besucht, ganze Schuljahre dem Holocaust, dem Zweiten Weltkrieg, SS, Hitler, Ghettos und den Trümmerfrauen gewidmet. Manche von uns hatten noch Großeltern oder Urgroßeltern, die diese Zeit selbst miterlebt und -erlitten hatten. Wir wussten alles darüber.

Ich gebe es offen zu: als Schülerin war mir die ständige Präsenz des Themas fast zu viel. Erinnern? ja, unverzichtbar. Aber die Ermahnungen, „so etwas“ niemals wieder geschehen zu lassen? Übertrieben.

Wir sind doch nicht dumm! Ihr müsst uns das nicht noch drei Millionen Mal erklären. WIR machen doch nicht dieselben Fehler wie unsere (Ur)Großeltern! Wofür haltet ihr uns?

Ein Anfang mit Schrecken

Tja, und jetzt? Jetzt zieht die AfD mit fast 13 Prozent in den Bundestag ein. Im Osten hat sie mit 30+ Prozent sogar mit deutlichem Vorsprung mehrere Wahlkreise gewonnen! Und ein Herr Gauland gibt sofort nach der 18-Uhr-Prognose im Ersten ein Statement in knallharter 30er-Jahre-Retro-Rhetorik.

„Wir werden euch jagen!“

[Alexander Gauland, 24.09.2017, Das Erste]

Dieser Satz hat mir Angst gemacht. Wer spricht denn so? Wer denkt denn so? Bisher waren das die Raketenmänner und Orangefarbenen in anderen Teilen der Welt. Wir schreiben das Jahr 2017!

Wir sind wohl dümmer, als ich dachte. Oder besser im Vergessen. Oder schlechtere Menschen. Ich weiß es nicht. Ich verstehe es nicht.
Ich verstehe Enttäuschung. Ich verstehe Frust. Ich verstehe Ängste, Sorgen und existenzielle Probleme. Ich verstehe Sich-Abgehängt-Fühlen.

Die Wahlentscheidung der AfD-Wähler verstehe ich nicht.

Kein Wähler kann sich mit Unwissenheit herausreden. Nach diversen Reden, Talkshow-Auftritten und Sprüchen auf Wahlplakaten kann kein AfD-Wähler behaupten, er hätte nicht gewusst, wes Geistes Kindern sie zur großen Bühne und Einfluss verholfen haben (und zu einer ordentlichen Finanzspritze aus der Staatskasse, ganz nebenbei bemerkt).

Das Argument der Denkzettelwahl gegen etablierte Parteien ist absurd. Ich bestelle ja auch nicht im ranzigen Restaurant das Gammelfleischgericht, um einem anderen Koch eins auszuwischen.

Die „echten Rechten“ verstehe ich noch weniger. Die, die aus Überzeugung gewählt haben. Wurden wir immer noch nicht genug aufgeklärt? Sind die Grausamkeiten der Nazizeit einfach zu weit von unserem Wohlstandsleben weg, dass sie wie eine alte Fabel klingen? Fehlt diesen Menschen Empathie, Einfühlungsvermögen, Verstand – Menschlichkeit?

Ich verstehe es nicht.
Und das macht mich verrückt. Ich will es verstehen. Wir müssen es verstehen, wenn wir unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung langfristig aufrechterhalten wollen.

Keine Überraschung – leider!

Nun habe ich meine Naivität schon vor langer Zeit verloren und ich war gestern auch – leider – nicht überrascht vom Wahlergebnis. Aber ich wäre es gerne gewesen. Positiv überrascht.

Scheiße, ich habe mir so sehr gewünscht, dass wir besser sind als das!

Ja, ich schreibe „wir“ – weil wir da  leider alle mit drin hängen. Ich vergesse nicht, dass die überwältigende Mehrheit der Deutschen freiheitlich-demokratisch gewählt hat. Aber gestern hat sich etwas verändert.

Ich bleibe trotzdem Optimistin und glaube daran, dass wir klug und menschlich genug sind, um die kaltherzigen Hetzer nicht noch weiter kommen zu lassen.

Wir können zum Glück noch frei denken, sagen und schreiben, was uns auf dem Herzen liegt.

 

#WirSchreibenDemokratie – Weil wir es können!

Wir können Hetzrhetorik mit Fakten, Unaufgeregtheit, freundlichen Worten und Satire den Nährboden entziehen. Wir können Geschichten über Toleranz und Menschlichkeit schreiben. Wir können unseren Mitmenschen ein nettes Wort und ein offenes Ohr schenken. Wir können Hetzer verbal in die Schranken weisen, ohne uns provozieren zu lassen.

Lasst uns unsere eigene Sprache sprechen und nicht in den Jargon der Spalter und Hassprediger verfallen! Das haben wir nicht nötig. Wir sind besser als das.

WirSchreibenDemokratie - Nornennetz

Das Nornennetz hat den Hashtag #WirSchreibenDemokratie ins Leben gerufen, um ein Zeichen für ein respektvolles Miteinander zu setzen. Macht gerne mit: Bloggt, twittert, postet bei Facebook und Instagram, schreibt ein Buch… Tut, was immer euch dazu einfällt. Denn zum Glück kann uns das niemand verbieten.

Eure Esther

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Wenn ihr noch mehr Beiträge habt, schreibt mir gerne via Kommentar oder auf Twitter!

 

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5 Kommentare

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